reichweiter

Menschen, Medien, Eimerketten

„Lass Flut sein“

da flood show

6. Juni 2013

– was für ein Artikel: http://www.zeit.de/2013/24/sachsen-flut-bezwingen   – erschien gestern – da war die Obergrenze des Hochwassers noch gar nicht erreicht, und trotzdem hat Martin schon seine erste Hintergrundanalyse veröffentlicht ! das Medium und die Aufbereitung geht ja so scheissenschnell ! aber die Distanzierung des Autors steht doch schon in der Überschrift – ich meine, der Schreibstil ist nicht schlecht und er hat den Sachsenminister ja auch wirklich begleitet, aber zur Flut fällt ihm eher ironisch Gebrochenes ein – ich find die Zwischentitel ja gut, aber ein deutliches zeichen, dass martin seine füsse eher nicht im elbeschlamm hat – und ironisch ist zwar recht unterhaltsam, aber eigentlich auch ermüdend – und das schlimmste: das könnte auch ich geschrieben haben !

währenddessen in der kulturzeit, 19h20:

„solche Ereignisse sind ja von Menschenhand nicht abwendbar“, philosophische Einsicht eines gehobenen Kulturbürgers in der Dresdener Fluthochburg –  hier findet sich nun auch die grossbürgerliche Feuilleton-Perspektive: rettet die Kulturgüter – klingt abgehoben und nach trockenen Füssen, und anders als als z.B. im RBB zibb aus der Cottbusser Gartensiedlung „zur fleissigen Hand“ (!!!) –  da sind die Muttis noch recht entspannt, als  ich vorher mal vorbeizappte.

natürlich ist’s schlimm, aber auch voll abstrakt – mit einer Freundin gestern abend gechattet, sie macht sich Gedanken, leidet mit, und liefert Trost aus der Ferne und per Telefon – aber selber Sandsäcke packen und zum aktiven Einsatz, das wollte sie nicht … und wenn das Netz dann wegbricht, was dann?

kulturzeit wieder: Händels Wassermusik (et al) heut abend in Dresden fällt  ins Wasser – heut spielt stattdessen Force Majeur, Korrektur: ist in Halle, die Händel-Absage, wie konnte ich das nur verwechseln?

lass Flut sein

ich assoziere erst mal eher negativ mit „lass gut sein – mach nicht so einen Wirbel“ – aber das stimmt nicht, ich fand die Überschrift von anfang an super – weil da mehrere Interpretationen drin stecken: die Medien blasen die Katastrophe am allergrössten auf – die Berichterstattung wird unerträglich … aber ich realisiere auch: die Betroffenen haben wirklich alle Händ zu tun und sind in Bedrängnis, somit lässt sich lass Flut sein auch anders lesen: alle Menschen werden Brüder, Solidarität der Einsatzhelfer. miteinander füreinander  und gegen die Flut – und egal, wie es ausgeht, hier ist man zusammen endlich konkret handlungsorientiert !  etwas, was man in der Alltagspolitik nie schafft, weil man da ohnmächtig rumsteht, zwar auch im Schlamm, aber das ist ja nur der ungreifbare Schlamassel der eigenen Politikverdrossenheit durch bürgerferne Regierungslösungen.

der Abstand

ich sitz hier im dritten stock im Sonnenschein und verbreite journalistische Zyne – als Gegengewicht zum dominierenden Betroffenheits-Journalismus, okay, aber auch mit schlechtem Gewissen.

der passende song

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2 Kommentare zu “„Lass Flut sein“

  1. tobiastwain
    06/06/2013

    Sieht ja schick aus, Dein neuer Reichweiter – widmest Du Dich also endlich wieder dem content – juchuuhh – wie auch ich! Ick schwitze immer noch Bytes ob des vielen Technikkrams, mit dem die uns da zujeschüttet ham. Beginne mich aber langsam freizuschreiben! Viel Kampfgeist Dir, Genosse ONRE-Redakteur!

  2. Sophie Ludewig
    09/06/2013

    …“mit einer Freundin gestern abend gechattet, sie macht sich Gedanken, leidet mit, und liefert Trost aus der Ferne und per Telefon – aber selber Sandsäcke packen und zum aktiven Einsatz, das wollte sie nicht…“
    Fühle mich hier in deinem Bericht an dieser stelle sehr direkt angesprochen. Habe den Chat nochmal zurückverfolgt und bin mir sich, dass Du mich damit meinst.
    Ist mir nicht angenehm deine Darstellung. Hört sich so an wie „Jaja, Trost spenden kann se, aber och nur aus der sicheren Ferne.“
    Ich hingegen bin überzeugt davon, dass ich besser zum Trost spenden und zuhören sowie zum Geld spenden (wie ich es heute getan habe) geeignet bin als zum Sandsäcke füllen oder schleppen. Am ehesten noch zum Schrippen schmieren. Hast Du schon was für die Flutopfer getan? Wie sieht es in Lüneburg bzw. bei deinen Eltern aus?
    Ich habe KEIN schlechtes Gewissen.

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