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Menschen, Medien, Eimerketten

District 9 – der letzte Shrimp

Ein längst überfälliger Filmtip: District 9

Selbst beim 4. Mal ist dieser Film für mich einer der überzeugendsten und spannendsten sci-fi-Streifen der letzen Jahre. ich hab ihn mal illegal downgeloadet, mir als DVD in der Bibliothek ausgeliehen, an Freunde und Verwandte verbreitet, und mir, wie gerade, nochmal im TV angesehen.

Dieser Film ist eine durchgehende Allegorie, wenn auch mit einem eher schwächelnden Abgang.

Über eine Millionen Ausserirdische landen mit ihrem maroden Raumschiff auf der Erde, direkt über Johannesburg. Sie sind Gestrandete, Wesensfremde – werden Shrimps genannt, weil sie wie Insekten oder eben Schalentiere aussehen. Und machen nur Probleme, weil sie nichts bringen, sondern nur Asyl brauchen. Sie sehen nicht wie Weisse, nicht wie Schwarze, und auch nicht wie Farbige aus, sondern einfach nur fremd, nicht menschenähnlich, haben andere Verhaltensweisen, und erzeugen puren Widerstand.

Das ist einfach nicht die Art von Ausserirdischen, die die Menschen sich erträumt haben, sie bringen keine Lösungen, sondern machen nur Probleme. Deswegen werden sie auch (nach ca. 20 Jahren) von der südafrikanischen (dominant weissen) Regierung zwangsumgesiedelt – in eine Johannesburg 240km vorgelagerte Township. Und das finden auch die Schwarzen gut. Weil, die Wirtschaftsflüchtlinge aus Zimbabwe oder sonstwo sind ja für die Einheimischen schon schlimm genug, auch da gab es real ja schon jede Menge Unruhen, Mord und Totschlag.

Aber diese total Fremden, diese definitiven Aliens, da sind sich alle einig, die müssen weg.
Da sind sich alle Schwarzen mit den Weissen einig (und scheiss auf Mandela).

Die Hauptperson

Ein weisser wohlsituierter/etablierter Südafrikaner namens Wikus van der Merwe (klingt in der deutschen synchro oft wie van der Merde), behördlich beautragt mit der „grossen Räumung“), infiziert sich mit ein paar Ausserirdischen-Umwandlungsgenen, ihm fallen erst die Fingernägel ab, dann wächst ihm ein Shrimp-Arm und überhaupt erfüllt er im weiteren nicht mehr die in ihn gesetzten, vor allem gesellschaftlichen Ansprüche, dabei war er eigentlich ein Sympathischer, wenn auch ein Erfüllungsgehilfe des tragenden Systems – und erscheint damit wie ein burischer oder englischer Kolonialist, der sich auf pseudoliberalem Weg gegen die Kaffern, oder hier: gegen die Shrimps durschsetzt. Ein Erfüllungsbeamter, der die vorgegebenen Richtlinien umsetzt, und sich doch, durch seine Normalität und Menschlichkeit, durch die staatlichen Vorgaben durcheiert.
so ist er halt: ein Sympathieträger.

Aber das Schicksal hat anderes mit ihm vor. Wikus ist einfach ein Opfer seiner Umstände, bzw. seiner Karriere, er lebte bis zu dem Schlüsselmoment zufrieden, wohlgesättigt in seiner sich zunehmend für ihn verbessernden Berufswelt, nicht sehr differenziert, dafür aber familiengesteuert karriere-orientiert, in latent staatstragenden (weissen) Verhältnissen. Trotzdem kennt er aber den Weichsprech in Südafrika nach der Apartheid (wir sind nicht mehr in den 60ern), er versteht sich, nett zu verpacken, bleibt aber in seinen Handlungen privilegiert und nutzniessend.

Das ändert sich alles, nachdem er bei einem Einsatz ein Shrimpröhrchen aufdreht, und sich beginnt, in einen Alien/Shrimp zu verwandeln. Damit bröckelt sein Rückhalt in der Oberschichtwelt, wie er sie bisher kannte, Stück für Stück weg (siehe Fingernägel).

Natürlich wird seine Infektion sofort vom Militär und den nigerianischen Warlords wahrgenommen, da nur mit dem Alien-Gencode sich die bisher nutzlosen Alienwaffen benutzen lassen. Obwohl man das erst mal den nigerianischen Verbrecherbanden in die Schuhe schiebt, diese Begierde. Nigerianer haben ja wirklich ein schlechtes Image (beware of nigerian Kettenbriefe) – wirklich Pech für ein so grosses Volk – die hier inszenierten Schurken bilden doch eher eine Minderheit. Aber mit den Schurken dieses Landes gehen die Machthungrigen des eigenen Landes dann doch d’accord, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber unterschätze niemals die nigerianischen Warlords – und auch nie die Alientechnologie. Der Konflikt und die Chancen der Beteiligten sind bis zum Schluss recht ausgewogen.

in der Werbepause gibt es einen netten Clip zum vorzeitigen 
Samenerguss und wie Mann ihn medikamentös vermeiden kann, 
dann ne Spruchblase: "am liebsten ess' ich eine Apfeltasche", 
und dann noch ein bisschen diba diba du - und nen ekligen, aber 
vorwarnenden Trailer für die 87. Staffel von Granma Heidi sucht 
das näxte Supermodel … geht's bald weiter? Noch nicht:
“okay, dann gar kein Fernsehen mehr" sagt Marge Simpson 
ganz unvermittelt und blauhaarweise, erst dann geht es weiter.

Aber eigentlich folgt ab jetzt nur noch Action-Geballer, die wesentliche Moral wurde bereits erzählt, die letzten Minuten scheinen nur noch die Bedürfnisse der blockbuster-affinen Investoren/Produzenten zu bedienen.

Ein kugellastiger und zu oft gesehener Showdown,  und dann ein Happyend, so wird’s wohl enden. Vielleicht noch ein einsamer Held, der komplett gestaltgewandelt einsam müllsammelnd eine Blechrose für seine verlorene Liebe faltet –  und Katzenfutter mampfend im Sonnenuntergang kniet.

Ein Shrimp, der keiner ist.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21/01/2014 von in Alltags Watch, Filmtip, TV Watch und getaggt mit , , , , .
Paul Fehm

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