reichweiter

Menschen, Medien, Eimerketten

Ängste und Balken

6. Februar ’14 – Ängste und Balken

„Alle Anderen“ – Film auf Arte – Geschrei, Aggression, Gebrüll und Tellergeschmeiss, im TV – und real: der Handwerker kommt vorbei und erklärt den verklemmten Gasherd einfach für tot, weil Reparatur mehr als die Neuanschaffung kostet – so ein Scheiss, erzähl das den Afrikanern ohne Hausverwaltung und Steuerabschreibung, was für eine Verschwendung.

aber wenn das so gut klappt, dann schwätz‘ ich ihm gleich noch mal ne neue Kloschüssel auf, die alte hab ich schon seit 12 Jahren, der Vormieter auch schon ewig lang, so was kann man auch mal erneuern lassen, das passt auch in die Verschwendungs-Attitüde – und dann brauch ich es auch nicht nochmal zu putzen.

auf Arte laufen die Berlinale-Filme vom letzten Jahr, („komm leg dich mal auf mich drauf“, sagt Lars Eidinger. „mach dich mal ganz schwer“) –

Menschen hab ich heut kein einziges Mal gesehen. stimmt nicht.

den Sanitärfuzzi hab ich heut gesehen, früh am morgen, 20 nach 8, der hat einfach nur sein Laptop aufgeklappt, nen Spruch abgeleiert und mit seinem Handy 2 oder 3 Schadensbelegfotos geschossen – die Unterschrift für den Auftrag durfte ich mit nem Cyberstift auf irgendein Display kritzeln – der neue Herd kommt dann bald.  wie gesagt, ich werd ihm mit dem alten Herd gleich noch meine Kloschüssel unter den Arm klemmen (zu alt, zu verseucht, und das wird den future Wert der Immobilie und das mittelständige Gewerbe aufbessern). Ich hätte dann auch gerne einen etwas höheren Thron mit amerikanischer Direktabfuhr, haha, meine amerikanischen Freunde wundern sich immer über diesen deutschen Präsentierteller statt dem Wasserloch –  Günther Grass hat über den Lustgewinn der germanischen Fäkalproduktion schon vor langem seine Zeilen geschrieben; ich befürworte da schon die direkte Wasserscheide. aber Schluss mit dem Thema.

wo waren die Mitmenschen? heute nicht da, obwohl, ich war schon kurz im öffentlichen Nahverkehr unterwegs, aber war nicht interessiert. statt nem Blindenstock hab ich mir die gelbton-Filter Sonnenbrille aufgesetzt und stumpf vor mich hinblickend-getönt mich zum Supermarkt geschleppt. sie waren mir alle egal, und ich wollte mich auch nicht darstellen, mir war nach anonym, ich hab mich einfach nur versteckt, das geht mit Sonnenbrille doch ganz gut – man hält mich dann eben für nen Zugekoksten oder Verkaterten, so what. zumindest bin ich ruhig und blöke nicht so rum, wie die anderen auffälligen Gestalten in der U-Bahn: die lamentierenden Obdachlosen-Zeitungsverkäufer, die ihr halbes Leben erzählen, oder zumindest eine erweichende Geschichte; oder die auf irgendeiner Droge vom Vorabend Hängengebliebenen, die in ihrem Universum vor sich hinbrabbeln, den inneren Druck loswerden wollen -nö, ich stehe nur unauffällig rum mit meiner Sonnensturmbrille und blende mich aus.

Übrigens bin ich heute einer Person begegnet, die statt auf ihr smartphone beim Laufen in einem Druckerzeugnis rumlas, und dabei auch fast Mitmenschen umrannte – immerhin war das wie old school 🙂

ich zuck‘ mit den Schultern – für meinen reichweiter-Vorsatz im Februar gab der Tag nicht mehr her.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07/02/2014 von in Alltags Watch.
Paul Fehm

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