reichweiter

Menschen, Medien, Eimerketten

TV ist bald sowas von tot

Wenn nicht wirklich bald was richtig Spannendes in meinem Leben passiert, werde ich all meine Restenergie daran setzen, um dieses überholte Scheissmedium Fernsehen (und insbesondere die Werbeblöcke) zu vernichten !

Wer braucht das im Jahre 2014 noch? Zugegeben, heute sah ich auf SAT1 tatsächlich mal einen Kinofilm, der nicht schon 50 mal durch alle Programme gelaufen ist: “ the exquisit marigold hotel“ mit judie dench und bill nighy et al – das ist eher die seltene Ausnahme – parallel dazu lief auf tele5 (dem Ausnahmesender) ein ryan gosling film, aber den hatte ich gestern schon als dvd – und damit Depro genug.

als ich heute mal im TV-Programm, den sat1-Film, entdeckte, hab ich mich entschlossen, den lieber gleich nachmittags anzuschauen, online und ohne Werbepausen – leider brach die deutsche Version nach einer Stunde weg und ich entschloss mich, den Film dann doch, später wie alle TV-Sklaven wieder über TV zu sehen – ca. 5 Werbeunterbrechungen à ca. 8 Minuten sprangen dabei heraus – was für eine Nerverei – dieser ganzen Müll, den man ertragen muss, alternativ auf andere Sender ausweichen,  zu info-Schnipseln, auf den Privatsendern dann selbst bei den Schnipseln wieder von Werbung zugemüllt zu werden – das ist so unerfreulich.

Wer braucht denn wirklich Werbung ausser der Werbebranche? Niemand. Bisher waren Werbepausen ganz nützlich, um irgendetwas Sinnvolles im Haushalt durchzuführen: auf’s Klo gehen, die Wäsche aufzuhängen, den Müll runterzubringen, okay.

aber mit den neuen Medien, mit den neuen technischen Möglichkeiten, sind diese Werbebelästigungen doch komplett auszublenden.

Lösungen

Lösung 1: ich habe einen USB-TV-Stick und schaue TV über den Computer, d.h. ich kann jederzeit die Pausetaste drücken, meine eigenen Pausen bestimmen, nutze den Cache und überspringe die Werbeunterbrechungen durch „Vorspulen“. Moderne TV-Geräte haben auch schon meist ihren Cache und eine Aufnahmefunktion, auch damit kann man nervige Werbung aussen vorlassen.

Lösung 2: ich verzichte auf das TV-Angebot gleich ganz. Um Kinofilme zu sehen ist mensch mit livestreaming wesentlich besser und aktueller versorgt – mit der passenden DSL-Geschwindigkeit findet mensch wahrscheinlich hundert mal mehr Filme als im TV-Programm gezeigt werden – zumindest wenn man sich auf das öffentlich zugängige freie DVB-T-Netz beruft: im TV rotieren mit einer Hartnäckigkeit die ewig gleichen Wiederholungen der selben ermüdenden Filme – mit einer frechen Unverfrorenheit der Senderbetreibendenden – soviel neue Zuschauer können gar nicht nachwachsen, wie die ewigen Filmwiederholungen abgespult werden. Selbst dem dumpfsten Zuschauer sollte da klarwerden, dass es dem TV, insbesondere den Privatsendern, nicht um filmische Inhalte, sondern um den Platz für die Werbepausen in diesen Filmen geht.

Wie schon mal erwähnt, ist Tele5 einer der ersten Sender, der sich zumindest aus dieser Publikumsverarsche etwas heraushebt. Die Filme sind zwar nicht immer sonderlich toll oder anspruchsvoll, aber Tele5 zeigt zumindest mal was anderes – und da kann selbst ein B-Movie schon wirklich erfrischend, weil noch nicht zuvor gesehen sein …

Lösung 3: ist aber die beste Lösung: live stream, Kinoportale und Mediatheken, selbstbestimmtes Bilder- und Filmesehen – das Medium mutiert zur nahezu allumfassenden Bibliothek: während einem TV geschätzte 40 Prozent an möglichen Inhalten bietet, gibt es im Netz ca. gefühlte 80 plus Prozente – in Deutschland befindet sich live streaming noch in einer gesetzlichen Grauzone: seit die guten Übertragungsraten im Internet live streaming ermöglichen, ist das Herunterladen von Filmen nicht mehr nötig – mensch streamt es halt – und dadurch nimmt mensch den Stream nur wahr, reitet die Datenwelle, teilt sie aber nicht, wie es zuvor mit dem Downloaden der Fall war, insbesondere in Peer to peer gruppen machte man sich durch die fast automatische Verteilerfunktion ja selbst zum Gesetzesbrecher.

aber streaming ist (noch) schön grau – und verspricht so viel Befriedigung: explodierende Filmauswahl, ständige Verfügbarkeit und individuell gesteuerte Abspielzeit – streaming ist wie ein Buch lesen: mensch nimmt es in die Hand, liest ein paar Seiten, wenn mensch müde wird oder eine Ablenkung eintritt, legt mensch das Buch aus der Hand, bzw. drückt die Pausetaste oder merkt sich die Zeit, ab wann mensch den Film weiterschauen will (und setzt ein Lesezeichen, auf welcher url der Film läuft) – TV-Serien lassen sich in Form von Serien-Orgien nonstop schauen – frei von allen Werbeblöcken – perfetto – selbst neue Serien der Privatsender, wie z.B. Danny Lowinski o.ä. lassen sich in den Mediatheken am ersten Tag nach der Erstausstrahlung mit einer auf vllt. ein Zehntel reduzierten Werbezumüllung online sehen.

Zu gut um länger wahr zu bleiben

Das ist so gut, dass es wahrscheinlich nicht mehr lange so gut geht. Das Medium Fernsehen erlebt gerade den Weg in seine eigene Redundanz – ich kenne nicht wirklich das Medienverhalten von 12-30jährigen heutzutage, vermute aber, dass Werbeblöcke nicht das sind, warum sie sich bewegte Bilder anschauen – längst gibt es online-Sendungen, Internet-TV, und alle möglichen anderen Arten von online-induzierten Info- und Entertainmentplattformen – ich brauche auch gar nicht zu wissen, wie die im Detail aussehen oder wirken, ich denke nur, dass von den Konsumenten niemand Werbung wirklich will oder braucht – nur dass in den bisherigen Medien Werbung immer die „bittere“ Pille war, damit mensch alles ganz toll und vor allem umsonst bekommt. Diese Vertriebsform blendet sich aber mit den aktuellen Möglichkeiten gerade aus. Es gibt einfach perfekte, viel belohnendere Ausweichstrategien.

TV in seiner bisherigen Form ist ein Dinosaurier – k.A., ob ein Praktikum bei RTL oder Pro7 heutzutage noch so eine tolle Idee ist, es sei denn, man möchte in seinem Lebenslauf noch mal auf die eigene Praxis in einem aussterbenden Medium hinweisen.

Kommerzielles Fernsehen ist immer schon nur ein Trägermedium für Werbung gewesen – Öffentlich-rechtliches Fernsehen ist – naja, eben staatlich subventioniert – und bringt dadurch auch oft ganz erträgliche Resultate hervor (mit ein bisschen weniger Werbung), ohne diese steuerliche Zwangsabgabe wären ARD und ZDF aber nichts anderes als eine Randgruppenerscheinung so wie z.B. der „Offene Kanal“.

Die Öffentlich-Rechtlichen liegen aber auch in den letzten Zügen, die Anbiederung an die Programmlinien der Privaten sind zunehmend peinlich – die gefühlte Anpassung an die generelle Verdummung klappt auf Dauer eh nicht, weil das bisherig erlebte Medium TV sich sowieso demnächst erledigt. Wenn ich mir dann so Formate wie Thomas Roth und Konsorten in den Flagschiffen Tagesthemen oder heute-journal anschaue, dann ist das für mich nur noch eine Bespielung der 50 plus-Generation, und das erledigt sich in den nächsten 10-15 Jahren von selbst.  Die wirklich spannenden und interessanten Dokus, die aus öffentlich-rechtlichen Geldern ermöglicht werden, sieht sich ausser einer Minderheit sowieso kaum jemand an – und wenn, dann eher online – und da findet mensch vielleicht gar noch bessere, kritischere,  auf den sich etablierenden online-TV-Kanälen.

Sollte ich noch erleben, dass der Rundfunkrat aufgelöst wird, werde ich eine Party geben – auch wenn ich nicht weiss, ob es danach besser wird: das Leben, das Fernsehen, der Zeitvertreib oder die Menschlichkeit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Paul Fehm

Literarischer Blog Heidelberg

Hola Spanien

Politik und Wirtschaft in Spanien

%d Bloggern gefällt das: