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Menschen, Medien, Eimerketten

Pop will eat itself

Ein kapitalistisches Imperium ?

Gestern habe ich einen Roman von John Brunner aus dem Jahre 1972 gelesen, so das copyright – und Mr Brunner redet dort von einem imperialen Decline, der sich nicht von dem unterscheidet, was Daniele Ganser in 2014 als Historiker erörtert: dass ein sich dem Ende näherndes Imperium sich zunehmend unterdrückender Wahrheitsinterpretationen bedient; dass, egal, wie repressiv es auch handelt, es trotzdem seinem Untergang entgegenstrebt. Das ist der gute alte Arthur Koestler, der Untergang des Abendlands – da sträubt sich das Abendland von allen Seiten, aber nichtsdestotrotz, der Untergang ist angesagt. Langsam und unauffällig wird er sein, also nicht so extrem dramatisch, sondern eher wie es John Brunner in den 70ern anhand des römischen oder byzantischem Imperiums beschreibt, da hat’s vllt. 200 Jahre gedauert, um das tragende System umzugestalten, und bis zu Roosevelt oder Adenauer hat’s dann noch länger gedauert ..

Heute, in Zeiten von Instagramm, wollen alle Revolutionäre den Wechsel instantaneously, also unmittelbar – aber das aktuelle Imperium verhandelt nicht mit Terroristen – hat es nie – nichtsdestotrotz holt es ausser einer Zeitverzögerung  aber auch nichts für eine übergeordnete zivilisatorische Entwicklung heraus.

Hier ist Nachhaltigkeit ein reaktionärer Begriff

Ich weiss, es ist nicht leicht zu verstehen, aber mein in einem anderen Post postulierter Rückzug des Westens aus dem Nahen Osten und den üblichen rohstoff-relevanten Gebieten ist ein veritable Option.  Wenn der Westen seine hegemonialen Ansprüche auf die Rohstoffe dieser Erde aufgibt, lassen sich – in kleinerem Masse – die Reichtümer der Erde an die unterschiedlichsten Länder der emerging states umverteilen.

Zu Recht kann man im Westen von einem gefühlten, praktizierten und immer noch expansiven Imperiums eines westlichen Kapitalismus ausgehen – es gibt aber auch Gross-Staaten wie China, die zwar immer noch eine Art Altkommunismus zur Schau stellen, aber im Grunde genommen in der Führungsschicht auch nur nach den Gesetzen des Kapitalismus praktizieren, und ihren Restkommunismus als staatliche Unterdrückung schönreden.

Egal, was die USA, EU oder China da wie benennen, sie streben alle nur dem Machterhalt der Eliten entgegen – die Führungseliten sind sich längst schon alle einig: am Volk vorbei und zum Wohl der Eliten. und die Eliten stehen sich, so vermute ich, dem zunehmenden Druck einer wachsenden Bevölkerung entgegen – nicht unbedingt einer zunehmend politisch aufgeklärten Bevölkerung – die werden ja schnell zu Dissidenten und potenziellen Terroristen – und dann degradiert – sondern dem Bevölkerungsdruck überhaupt – das ist ein Problem auch für die aktuellen Eliten, es gibt zwar jede Menge dumpf-stumpfes Wahlvolk, das sich für die eigenen Interessen manipulieren lässt, aber eigentlich  gibt es insgesamt zuviele Sympathisanten, denen man Geschenke machen muss (irgendwie teilen muss), um sie auf die eigene Seite zu ziehen.

John Brunners kleiner Nebenher-Roman aus den 1970er Jahre  („from the wrong side of time)“ finde ich recht aktuell – gleichzeitig auch komisch, weil es die Weiterentwicklung einer sozialistischen Sowjetunion so positiv in die Zukunft hochjubelt (währenddessen die USA vor Jahrzehnten alle Truppen aus den asiatischen Zonen zurückgezogen haben, um diese auf die Inlandunruhen zu konzentrieren – Rassenunruhen, kann man vermuten – die Schwarzen sind in diesem Amerika immer noch die Underdogs – die USA haben sich total aus dem Weltgeschehen abgekoppelt und leben eine krass konformistische und global isolierte Wohlstands-Fascho-Welt, wie man sie heutzutage eher China unterstellt – gelesen im Jahre 2014 kommt das schon bizarr.

Vor 40 Jahren war Sozialsimus noch eine Idee

Heute stellt sich die Frage, geh‘ ich zu Aldi oder Lidl.

Was wäre aus der SU möglicherweise geworden, wenn sie nicht in diesem systemischen Konkurrenzdruck hätte leben müssen, wenn sie nicht durch den kalten Krieg durch Hochrüstung zum Bankrott getrieben worden wäre, was, wenn es eine gegenseitige Toleranz für unterschiedliche Wertvorstellungen zur gegenseitigen Akzeptanz gegeben hätte. wenn da nicht auf beiden Seiten so Sturköpfe (apparatschkis) gessessen hätten? keine Ahnung, ob es da wirklich zwei bessere Welten gegeben hätte.

Kapitalismus ist einfach ein mächtiges Schwert 

durch Gier und Ausbeutung für die oberen Zehntausend das fetteste Leben. das steuert den westlichen Kapitalismus, die Chinesen und die russische Oligarchie … das ist dann Darwin (armer Darwin, das hast du dir bestimmt nicht so gedacht), aber funktioniert in einem altbarbarischen Sinne von „survival of the biggest sword“.

heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, scheint von einer aufklärerischen Weiterentwicklung des Menschen kaum noch eine Spur – das stimmt nicht ganz; im nichtstaatstragenden Korpus, in der digitalen Diskussion, gibt es jede Menge Beiträge, dass sich Menschen zu mehr Menschlichkeit entwickeln wollen – aber im staatstragenden Konstrukt findet sich auch massive und übermächtige Gegenwehr.

Menschliche Bedürfnisse stehen einer polit-ökonomischen Übermacht gegenüber. im Moment hat die Wirtschaft schon längst die Politik übernommen, das ist das Schlimme.

der Islam als Abwehrhaltung

Der fundamentalistische Islam ist eine simple Gegenreaktion zur Überflutung mit den oberflächlichen Reizen des Konsumkapitalismus. Er ist eine Abwehrreaktion, mehr auch nicht – wenn man eine Idee als megafucking bullshit bezeichnet, und damit eine Riesenbevölkerung an die Wand drängt, dann konzentriert sich diese Gruppe auf irgendwelche althergebrachten Werte – biblisch – alttestamentarisch oder eben islamisch – als Abwehrhaltung, Rückzug in die abgrenzende Identität. das ist nicht sehr produktiv, aber nachzuvollziehen.

Ich finde, dass der Westen sich aus dem Nahost-Dilemma, dass er selbst produziert hat, einfach heraushalten sollte, er kann da eh nichts mehr heilen, was er an Unruhe dort angestiftet hat – er sollte sich zu seinen blanken Rohstoffinteressen bekennen, diese einstellen, und den weiteren Werdegang der dort agierenden Gruppeninteressen sich selbst überlassen – der Westen sollte einfach sagen, dass ihm die heutigen Menschenrechtsbedenken vollkommen egal sind, und dass es immer nur um geopolitische und Rohstoffinteressen ging – er sollte sich auch mal entschuldigen dafür – er sollte sich auf einen Ausbau unabhängiger Rohstoffquellen konzentrieren, und sich aus diesem Dilemma heraushalten; im Moment scheinen ihm ja die bald 150.000 Toten in Syrien total egal zu sein, während er wegen der vllt. 3000 Toten in der Ukraine kurz davor steht, in einen Krieg zu ziehen, und die vielen GazaToten sind, naja, irrelevante Empörung, plundes Lippenbekenntnis …

Kapitalisten sind Feinde

Ein kapitalistisches Imperium – dominiert von den USA, dem von der von Deutschland dominierten Europäischen Union, versucht sich ihre Pfründe zu sichern. Der Kapitalismus als Weltideologie bringt dabei auch China, Russland und die Bracs auf ihre Seite – aber eigentlich sind bei diesem Spiel auch alle gegenseitige Feinde (Konkurrenten heisst das heute).

Pop will eat itself.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29/08/2014 von in Geopolitik, Migration, Polemik, TV Watch und getaggt mit , , , , .
Paul Fehm

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