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Menschen, Medien, Eimerketten

Kopflos

beheading

We are in a Pressure groups situation

Die sich zuspitzende Auseinandersetzung zwischen dem marktwirtschaftlichen Westen und dem fundamentalistischem Islam lässt sich aus der oberflächlichen Lektüre in den westlichen Medien nicht erschliessen. Diese neigen zu sehr zu einer einseitigen Verteufelung dieses Konflikts – all diese Berichte klingen wie Kriegspropaganda.

Ist es zulässig, die in den letzten Jahren vorangegangenen Berichte über erfolgreiche Terroristenvernichtungen per Drohnenangriff, die öffentlich oft genug bei jedem Erfolg in den Medien im Überwachungs-Videostil ausgestrahlt wurden, mit den auf youtube plazierten Enthauptungen von Geiseln zu vergleichen?

Beides sind Bilddokumente von Hinrichtungen – Hinrichtungen, die beide Seiten aus einer tiefen Überzeugung von ihrer jeweiligen Sache heraus ausüben – unterscheiden tut sie beide nur die unterschiedliche Technik – Warum sollten Islamisten davor zurückschrecken, unbeteiligte, aber westliche Geiseln zu enthaupten, wenn der Westen ihre Anführer durch Drohnenschläge enthauptet? Angeblich ist das ja alles ein unsymmetrischer Krieg, also was erwarten wir?

Entsetzt bis ohnmächtig steht der Westen auf einmal der Zusammenrottung militanter Islamisten gegenüber, die sich dann zufällig auch noch das von ihnen selbst ins Wanken gebrachte Gebiet gerade erfolgreich aneignen, die Ausbreitung scheint – so zeigen es die medialen Grafiken – enorm.

Jetzt bombardieren Amerikaner und Franzosen schon Ölförderstätten und -raffinerien in Syrien, das ist im Vergleich zum Desert Storm (1991-92) eine total entgegengesetzte Strategie, das war wirklich noch ein Krieg ums Öl – aber jetzt erscheint das ganze wirklich etwas kopflos.

 Ich unterstütze nicht

Mir liegt es fern, hier einem islamistischen Staat, wie er in der westlichen Presse heraufbeschworen wird, das Wort zu reden, ihn zu unterstützen. Diese oberkämpferische Doktrin des Islamischen Kalifats: Tod allen Ungläubigen, und die Idee eines weltweit zu errichtenden islamischen Fundamentalismus raubt der ganzen Aktion auch jegliche Glaubwürdigkeit. Irgendwelche strammen Ideologen knallen da grade ziemlich durch, ziemlich populistisch und erfolgreich – das sei ihnen bestätigt. Ich denke, sie nutzen die ganze ungeklärte Situation im Nahen Osten einfach aus – diese ganze Instabilität, die das Eingreifen des Westens in den letzten 15 Jahre erzeugt hat – dies war definitiv eigennützig für den Westen orientiert und hat ein Chaos hinterlassen – in das das islamistische Zahnrad eingreift.

Keine Ahnung, wie die USA Saudi-Arabien zur aktuellen Allianz überredet haben, vielleicht, weil die Türkei sich weigert, den Amerikanern die Nutzung der Flugplätze zu nutzen, weil die USA Saudi-Arabien schon seit den mitt-40er Jahren des letzten Jahrhunderts unterstützt, vielleicht – obwohl Saudi-Arabien mit seinem strengen Wahabtitismus nach aussen hin selbst einer der strengen islamischen Ländern ist – weil die Saudis sich fürchten, dass ihnen ihre Lotterleben-Prinzenlandschaft im Zusammenhang mit der langjährigen Verbrüderung mit den USA, im Falle einer Invasion des Kalifats als erste die Enhauptung jedes einzelnen dieser dekadenten Fürstengilde droht.

Jetzt wollen alle militärisch dagegen vorgehen, die Alliierten werden fleissig gesucht, die UN-Resolution ist heute gerade raus – und Deutschland versucht, endlich seinen Beitrag zu leisten

Eine unglaubliche deutsche Geschichte

Nicht nur Ausbilder, sondern auch Waffen sollten längst schon an die Peschmerga ausgeliefert sein.

warum sind die eigentlich noch nicht da? Seit einer Woche hängen die Ausbilder in Bulgarien rum, ihre Maschine funktioniert nicht, auch die erste, die zweite und die dritte Ersatzmaschine funktioniert nicht ! Aber Frau von der Leyen bekommt doch noch eine funktionierende Transall von der Bundeswehr, um nach Kurdistan zu fliegen – und, wie man in den gleichen Nachrichten hört, ist die erste Bundeswehrmaschine nach Westafrika geflogen, um dort Material für die Ebola-Bekämpfung zu liefern. Das kann nicht mit wirklichen technischen Problemen zusammenhängen – auch wenn in den Medien lanciert wird, wie marode die deutschen Marinehubschrauber sind – mir erscheint das eher als Herauszögern auf der Suche nach einer anderen, diplomatischen Lösung.

Gerade ist der französischer Bergführer Herve Gourdel in Algerien öffentlich enthauptet worden, und auf den Philippinen befinden sich deutsche Geiseln in den Händen der Abu Sayyaf, die eventuell auch hingerichtet würden, falls sich Deutschland zu sehr beteiligt. Es gibt nicht 4 Maschinen hintereinander, die diesen Transport unmöglich machen, das ist eher Kalkül als Zufall – der Spruch eines Arte-geladenen Spezialisten, das wäre ein klarer Hinweis, dass die Bundeswehr in den letzten Jahren kaputt gespart worden wäre, mag ja stimmen, klingt aber auch nur nach Kriegstreiberei und Rüstungslobby.

Ein naiver diplomatischer Vorschlag

 Der Westen zieht sich aus dem Nahen Osten komplett zurück, vertritt keinerlei wirtschaftlichen Interessen mehr. Zu folgenden Bedingungen: Anerkennung des israelischen Staats (bei gleichberechtigten Verhandlungen zur Gründung eines palästinensischen Staats), und einer Garantie, dass alle ausreisewilligen Personen aus diesen islamistischen Ländern diese unbehindert verlassen können – wer an diesem fundamentalistischen Spiel nicht teilnehmen möchte, darf ungehindert und jederzeit ausreisen, in ein „freies“ Land seiner Wahl (diese Länder müssen sich auch zur Aufnahme verpflichten).

Wenn die wahren Gläubigen unter sich leben wollen, dann sollen sie das auch machen dürfen – das machen wir im Westen ja auch – ist halt nur ein Glauben an Anderes – wenn die „wahren Gläubigen“ sich ausgebeutet fühlen (und das wurden sie), dann soll man die Ausbeutung einstellen. Wenn die „wahren Gläubigen“ eine geschlossene Gesellschaft haben wollen, dann soll man sie ihnen zugestehen, aber es muss die Garantie geben, dass alle „am wahren Glauben Zweifelnden“ oder sonstige Ungläubige jederzeit die Gemeinschaft verlassen dürfen.

Abstimmung mit den Füssen

 Natürlich ist das naiv, aber m.E. eine sinnvolle Lösung: der Westen soll sich von den Ölreserven trennen, die der Auslöser für den ganzen Unmut der letzten 70 Jahre waren – für sein Wachstum sollte er sich lieber auf den Ausbau regenerativer Energien konzentrieren, von mir aus auch für ein bisschen fracking hier und da im eigenen Land – es ist besser, selbst den Preis für das eigene Wohlstandsgefühl zu zahlen, als weiterhin auf Kosten anderer zu leben oder gar Waffen zu schmieden, um mit dem selbst erzeugten Missfallen noch mal kurzfristig Geld zu verdienen.

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