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Bodentruppen

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Vorwärts

Wie schnell das alles geht – möge doch niemand sagen, der Westen befände sich nicht in einem neuen Krieg – die Allianzen wachsen zusammen, bombardieren gemeinsam, gestern nannten erste Spezialisten den Einsatz von Bodentruppen unvermeidlich, heute steht es erstmals in der Zeit.

Überraschend finde ich dabei, dass die amerikanischen online papers New York Times und Washington Post dieses Thema ziemlich herunterspielen, nur am Rande erwähnen – dabei werden die amerikanischen Bodentruppen, nach einer Mobilisierung und Aufrüstung sympathisierender Rebellentruppen, die ersten sein, die in den „wahren Krieg“ ziehen.

Der Westen befindet sich bereits in einem neuen Krieg. De facto ist es nichts anderes, die vorgestrige UN-Resolution hat ja keinen Kriegseinsatz gebilligt, sondern nur das Verhalten der IS-Milizen aufs Strengste verurteilt und die Bereitschaft für künftige Koalitionen sozusagen freigeschaltet. Aber im Grunde sind sich alle einig, dass dem späten Gegenkreuzzug der Islamisten dringend Einhalt geboten werden muss – davon sprechen ja die regelmässigen Landgewinne der „Feinde“ Bände.

Deutschlands schwache Rolle

Deutschland setzt intensiv auf diplomatische Verhandlung – das ist sehr nett, geht am eigentlichen westlichen Konsens aber ziemlich vorbei – definitiv ist da mit diplomatischen Verhandlungen nicht viel zu reissen, das ist Gutmenschendenken, das an seine Grenzen stösst – dazu diese miserable Performance von wegen Ausbilder nach Kurdistan schicken, die dann eine Woche liegen bleiben, dann versagen vier Maschinen, und die letzte schafft es dann doch, 32 Kurden nach Deutschland ins Trainingslager zu fliegen, wo sie dann an den 40 Jahre alten Milan Panzerabwehrraketen ausgebildet werden sollen. Ich würde ja vermuten, dass die arabischen oder englischsprachigen Handbücher dann noch verloren gehen – das ist so stümperhaft und unengagiert – natürlich wäre es gut, wenn sich dieser Konflikt mit Worten lösen liesse, aber diese Lösung steht momentan nicht im Raum

Die Bedeutung einer muslimischen Stellungnahme

Entscheidend wäre es, eine breite islamische Gegenwehr aufzubauen, um sich gegen dieses islamische Kalifat zu stellen – ich weigere mich, diese jetzt, wie alle, als Spinner, Barbaren, Wahnsinnige zu bezeichnen, weil das einer solchen Verhandlung nicht weiterhilft, sondern nur einer Eskalation dient.

Die muslimischen Staaten müssen ihren muslimischen Extremisten ihr eigenes No-Go erklären, anders geht das nicht – die Lösung, dass sich alle westlichen Staaten zu einem massiven und vernichtenden Gegenschlag zusammen schliessen (zusammenrotten), wird das Problem nur um einige Jahre oder Jahrzehnte vertagen, und hundert tausende Tote erzeugen – für nichts, keinerlei Fortschritt, für weiterbestehenden Hass, für jahrzehntelange Aufsicht, für ein römisch-imperiales Dilemma der Endzeit.

Statt mit Kanada und den USA ein Freihandelsabkommen abzuschliessen, sollte mensch sich um ein Wiedergutmachungsabkommen und freien Handel mit den arabischen Ländern kümmern. Statt ein Feindbild aufzubauen, sollte sich der Westen um ein gemeinsames Verständnis und um gerecht verteilten Wohlstand kümmern – er sollte sich tolerant gegenüber verschiedenen Religionen verhalten – und das Missionar-Wesen auf beiden Seiten unterbinden.

Christliche Missionare sind des Teufels genauso wie islamistische Imame!

Stattdessen rüstet sich der gesamte Westen gegen den Islam – ein neuer Kreuzzug – genau so wird er vom Islam wahrgenommen werden – daraus wird nur ein ewiger Konfliktstoff befeuert.

Was macht eigentlich Russland in diesem Konflikt?

Erstaunlicherweise hört man aus dieser Region gar nichts – Syrien ist doch ein Verbündeter Russlands, weil sie da einen wichtigen Militärposten haben – der könnte doch auch in diesem Chaos untergehen – Russland hat Probleme mit seinen muslimischen Enklaven (Dagestan, Zentralasien) – alles auf Wiedervorlage gelegt? Momentan macht Russland sich ja stark mit seiner eigenen Systemstärke, dem alten imperialen Denken – und befindet sich im Konflikt mit dem Westen (irgendwie genauso wie die Isis) – nehmen sie Stellung? Offiziell eher nicht, wahrscheinlich warten sie ab, wie sich aus diesem Schlamassel für sie eine günstige Position ergibt. Bis sie dann im eigenen Haus ihren eigenen Schlamassel haben – ich kann es nicht verstehen – momentan passt es Putin wahrscheinlich ganz gut, dass der Westen sich mit dieser Bedrohung herumschlagen muss und nicht mehr so viel auf sein eigenes Anliegen achtet, aber ist ihm nicht bewusst, dass ihm sein Verhalten irgendwann um die eigenen Ohren fliegen kann wie damals in den 80ern – Afghanistan?  Glaubt er, dass es nur den Amerikanern und der EU um die Ohren fliegt ? Dabei ist er doch selber an der gleichen Schnittstelle.

kurz recherchiert

Eine erste Kurzrecherche ergibt allerdings seit mindestens Juni 2014 eine russische Bereitschaft, sich an der internationalen Allianz gegen den IS zu beteiligen, Zeit online berichtet am 22. September über eine Erwägung zum russischen Beitritt zu dieser Allianz.

Allerdings ist gegen Russland das Klima gerade so angespannt, dass dies eher selten in den staatstragenden Medien berichtet wird (wir haben da ja noch einen europäischen „Nebenschauplatz“, an dem um imperiale Vormachtstellungen gestritten wird)

Hiermit revidiere ich einiges vom oben Geschriebenen, Russland wird sich von einem IS ebenso bedroht fühlen wie der Westen – fühlt sich aber gleichzeitig auch vom Westen bedroht und macht auf dicke Hose – wo wird das enden?

Werden wir uns mit Putin und Assad gegen den Kalifen – oder bei Bedarf – auch gegen den bereits abdankenden Dalai Lama stellen?

                                Ich brauch kein Schwert, ich muss nur lesen und überlegen, um mich kopflos zu fühlen

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Ein Kommentar zu “Bodentruppen

  1. tobiastwain
    01/10/2014

    Tja, reichweiter, mit der islamischen Gegenwehr haperts eben. Auch bei uns. Da wird geschwiegen, weggeguckt, sympathisiert, insgeheim Beifall geklatscht und heimlich paktiert.
    Aber was Du zum Westen schreibst, gilt auch. Der müsste sich mal langsam überlegen, wie er die Bevölkerungen der arabischen Länder ins freundliche, fairen Handel treibende, aufklärerische Boot holen könnte. Aber wer will das schon, wenn die Scheichs Panzer bestellen und bei VW und Mercedes viel zu sagen haben?
    Und dann müsste man sich ja auch noch gegen die selten dämliche und arrogante Außenpolitik Amerikas seit Reagan stellen.
    Harte Aufgaben! Schaun wir mal, wie unsere uckermärkische Taoistin das so hinkriegt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27/09/2014 von in Geopolitik, Migration, TV Watch und getaggt mit , , , , , , , , , .
Paul Fehm

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