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Menschen, Medien, Eimerketten

Machismo 2 und der Islambezug

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Falls das irgendein Leser nicht mitbekommen hat, halte ich Unterdrückung von Frauen, Mangel an Bildung und ungerecht verteilter Wohlstand für die Grundsäulen des Islamismus. Siehe meinen  ersten Machismo-Artikel im reichweiterBlog

Die Serie „Boardwalk Empire“, die ich gerade streame, gibt mir einen historischen Blick in das Mann-Frau-Verhaltens aus den USA in den 1920ern, kurz vor der Einführung des Wahlrechts und zur Zeiten der Prohibition – natürlich ist das nur eine dramaturgisch aufbereitete TV-Erzählung – aber einem Martin Scorsese spricht man Authentizität und Dramaturgie zu. Das passierte vor gut 90 Jahren und Frauen waren damals ein Dreck – mit dem Stimmrecht waren sie damals nur Stimmvieh, und ansonsten herrschte offener ökonomischer Druck. Frauen, die ihr Selbstbestimmungsrecht wahrnehmen wollten, waren entweder Suffragetten, nützliches Stimmvieh oder einfach willige Schlampen-Fotzen, die für sich und ihre Kinder um ein Auskommen kämpften (sich prostituierten)

 Wie bitte, unterscheidet sich das von einem heutigen frauenfeindlichen Islamistenbild?

Seit gut 90 Jahren entwickelt sich ein selbstbestimmtes Frauenbild und eine weibliche Autonomie – das wird als extreme Gefahr für das alteingesessene Patriarchat wahrgenommen – zwar haben Frauen oft die Familien und Finanzen übernommen, aber Papa sass dann immer noch macho-technisch mit dem langen Nagel am kleinen Finger im Caféon und schwadronierte über Männerentscheidungen – der äussere Eindruck der männlichen Dominanz wurde gewahrt.

Das wird in der heutigen modernen Gesellschaft extrem infrage gestellt – und wirft bei den „Traditionalisten“ enormen Widerstand hervor – alle islamistischen Kämpfer machen einen auf äusserst männlich, haben antike (atavistisch ist die treffendere Wortwahl) Wertvorstellungen von Ehre und Männlichkeit inhaliert – heute habe ich das erste mal gelesen, dass kurdische Kämpfer_innen_ bei den Kämpfen gegen IS umkommen – solche Meldungen wird es bei der IS nie geben, weil Frauen dort nie kämpfen dürften.

Wer sind die Opfer?

Mal davon abgesehen, dass die Quellenlage recht vage und womöglich propagandaverseucht ist:

was hört man? Dass Frauen gesteinigt werden, dass es Massenvergewaltigungen gibt, und dass es Massenentführungen von Frauen gibt, die dann als Sklaven (welcher Art auch immer) verkauft werden. Wohl eher nicht als ausschliesslich Haushaltsbedienstete, sondern als vorgelagerte irdische Jungfrauen, um es den Kämpfern vorab schon mal ein bisschen nett zu machen – für Zwangsheiraten auch.

Was fällt auf: Frauen sind Opfer, die Jungs oder Männer sind zwar auch Schlachtvieh, aber kriegen ihren Kampfeinsatz nachträglich verbrämt, egal, ob sie nun im Kampf sterben oder als Märtyrer hingerichtet werden, sie sterben wie Männer.

Wie werden hingegen Frauen behandelt? Wie eine moralische Verhandlungsmasse – Wie Stückgut, Vieh, Chlorhühnchen! Ich bleibe vorerst dabei, die Ursache ist unterdrückte Sexualität. Wie sollte sich das anders erklären? Die Frauen zicken rum und wollen Gleichberechtigung: geht gar nicht. Die wirtschaftliche Situation erlaubt keinem von den vielen jungen Männern, eine Familie zu gründen und zu ernähren – die mangelnde Bildung lässt sie für jede heilsversprechende Ideologie anfällig werden – also ziehen sie los in den Krieg der Verlierer, rauben sich die Frauen, rauben sich die Gelder, und träumen vom besseren Leben, egal, ob im Hier oder im Jenseits – das ist pickeliges Kanonenfutter – spuck.

„kuffar definiert den Untermenschen“

Immer noch finde ich den Begriff „kuffar“, des Ungläubigen, dabei einen zentralen Begriff, weil dieser Begriff die „Untermenschlichkeit“ ausdrückt; gegenüber Gleichgesinnten gibt es das Mitgefühl, aber gegenüber dem Untermenschen gibt es das Überlegenheitsgefühl – das ist erstmal wie Vieh, und wenn es Frauen sind, die in einen Unterdrückungsapparat gepresst werden, dann gibt es vielleicht auch mal eine Aufwertung, wenn sie sich wohlgerecht verhalten (kuschen) – wenn es männliche Kuffar sind, kann man sie abschlachten, keulen, wie krankes Vieh – da muss der Gläubige auch nicht zimperlich sein – das ist eine Denke, die vor 20 Jahren in Ruanda auch zwischen Hutu und Tutsi stattgefunden hat – der Gläubige schliesst sich aus einem moralischen Diskurs einfach aus, indem er die als ungläubig Definierten einfach aus dem Wertesystem herausnimmt.

Die industrielle Hühnerzucht macht es ihm ja vor: männliche Küken, die keine Eier legen und zu wenig Fett für ein Brathähnchen (!) ansetzen, kommen kurz nach dem Schlüpfen in den Schredder – zugegeben eine etwas wackelige Analogie. Ein wackeliger Extrem-Feminismus (obwohl sich darin eine kapitalistisch-patriarchale Schizophrenie andeutet).

Wie soll ein magerer nicht Eier legender und männlicher Islamist denn jetzt das verstehen? Und was ist eine Analogie?

Wie bin ich darauf gekommen?

Testosterongesteuerte Jungtürken wollen alle Sex – mit deutschen oder anderen europäischen Mädeln machen sie das auch jederzeit. Weil das Kuffar sind, also Schlampen und Untermenschen per se. Mit türkischen Mädels würden sie das kaum mal machen, weil das gegen ihre Wertvorstellung spräche – oder ihnen der traditionelle Vater oder Bruder ihnen den Kopf abreissen würde. Gott ist gross – muslimische Jungs: seid ihr nun Opfer oder einfach nur erbärmlich?

Auf Zeit-online publiziert Maria Exner eine unterhaltsame Gesellchaftskritik, die trotzdem an das gleiche Thema rührt – aus einer modernen aufgeklärten Geschlechterdiskussions-Position heraus  – nur schreibt sie dies auf aufgeklärtem Territorium, ohne Gefahr, deswegen gleich gesteinigt zu werden, und nicht in einem weiblichen Unterdrückungsgebiet. So ein Glück. Sie frozzelt – wie es sich für’s Genre gehört – über den Geschlechterkampf, oder deren Ausprägungen – und dann verliert sie sich gen Ende in alle möglichen Fragestellungen – in diesem Sumpf würde ich auch landen- es gibt da eben keine schnellen richtigen Antworten – machtlos steht mensch da – zwischen seinen Wünschen, seinem Begehren und seinem ökonomischen Sicherheitsdenken, und seinen Autonomiebestrebungen.

An dieser Stelle würde ich den Artikel auch abbrechen – oder – als Islamist – deutlich meinen Schwanz auf den Tisch legen!

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