reichweiter

Menschen, Medien, Eimerketten

Sie agieren wie fliessendes Wasser

Ein Zitat von Harald Kujat

– heute abend bei der Anne-Will -Themenrunde zum ISIS-Konflikt – die klassische Formulierung für einen asymmetrischen Krieg.

in dieser Runde bekommt man mit, dass der Terror der ISIS vom bisher unbeteiligten Westen als eine unbegreifliche Furcht vor dem Unwägbaren wahrgenommen wird. Und dass eine erste dominierende Reaktion darin besteht, zu den erweiterten Waffen eines Bodentruppenkriegs zu rufen.

Der aussenpolitische Sprecher der Linken, Jan van Aken, erwähnt immerhin mal den politischen Diskurs als politische Lösung – das ist eine schwierige Position, aber wenigstens bremst er diesen Ruf zu den Waffen – die anderen Parteien schreien immer nur nach totale Vernichtung dieser unsäglichen Barbaren (dass dieser Sprech von Obama kommt, ist schon bitter genug) – Drohneneinsätze sind natürlich nur gezielte Enthauptungen (mit ein paar bedauerlichen Begleitopfern) – Hinterfragung des eigenen Handelns war noch nie die Stärke eines Imperiums.

Im wesentlichen reden die Diskutanten von ihrer eigenen Kopf- und Planlosigkeit (acting in a beheaded style),  der CDU-Politiker Armin Laschet, redet davon, wie er die Menschen dort retten will – und dennoch kümmert sich seit über 3 Jahren doch keiner um den Schutz dieser Menschen, man empört sich verbal.

Das Erdogan

Die Vorwürfe an Erdogan sind auf jeden Fall angebracht – anerkannt werden muss aber auch, dass die Türkei schon über 1,6 Mio Flüchtlinge aus dieser Region aufgenommen hat, und dass ihr dabei geholfen werden muss.

Diese Taktiererei in Bezug auf die PKK und Kurdenautonomie ist andererseits schon eher unerträglich – und Erdogan ist wirklich nicht der beste Vertreter eines Europas des Westen, eines Europas – in das wir ihn ja auch noch immer nicht reingelassen haben.

Kujat ist zwar ein alter Hardliner, Militär eben, aber er hat auch erwähnt, dass die Einbindung Russlands und auch des Irans in diesem Bereich dringend notwendig ist. Möge das mal durchsickern.

Im nachfolgenden Nachtmagazin wird von der Moderatorin (im grässlichen grellgelb-grauen Kostüm) nachgefragt, Obama erwarte doch eigentlich von Erdogan, dass er dort mit Bodentruppen in den Krieg zieht – was vom Korrespondenten zwar mit ja beantwortet wird, aber deswegen knirsche es auch grade so massiv zwischen den USA und der Türkei…

ab da verstehe ich die konkrete Politik nicht mehr

Weltweit wird ISIS als Bedrohung wahrgenommen, Erdogan hat schon durch die immense Flüchtlingsaufnahme enorm viel geleistet (er könnte sie ja auch nach Deutschland durchreichen, dann will ich hier mal das aktuelle Verhalten sehen) – die Luftangriffe der Allianz bringen ja anscheinend nicht so viel, waren anscheinend bisher nur ein positives Zeichen der Unterstützung – und ein Händereiben aller Rüstungsindustriellen im Hintergrund – Luftangriffe und Droneneinsätze, so stellt sich die um „Freiheit bemühte westliche Welt“ ihren Beitrag vor – und will dann die Türkei mit Bodentruppen vorschicken, um den Weltschlamassel für sie zu lösen  …

und automatisch kommt der Spruch, dass muss Amerika tun, so selbstverständlich – gelassen von einem deutschen Korrespondenten ausgesprochen, der sich relativ sicher ist, dass bei der miesen Bundeswehrlage deutsche Bodentruppen nie gegen den islamistischen Terror an der türkischen Grenze eingreifen könnten. Engländer und Franzosen würden da wohl schon eher den Türken zur Seite stehen, wenn diese sich bereit erklärten. Soll doch Amerika kriegsmüde sein, diese Attribut haben sie sich wirklich verdient, und wenn sie keine Bodentruppen einsetzen wollen, dann sollen das doch andere für sie hinbiegen, sie können ja dann immer noch jede Menge Logistik liefern, Lufteinsätze fliegen, unterstützen (und sich dort die Rüstungsindustrie weiter die Hände reiben) – aber jetzt die ganze Schmutzarbeit den Türken unterzuschieben – das ist echt billig.

Konfliktanalyse und Diplomatie

Jan van Aken scheint ja immerhin mal internationale Politik studiert zu haben und kennt sich mit dem Begriff „Konfliktanalyse“ aus – das haben andere bestimmt auch – aber seine Rufe nach einer sofortigen diplomatischen Umkehr im Irak, in der ganzen Krisensituation, gehen so schnell unter, weil alle Entscheider sich in ihrem Entsetzen über diese barbarische Vorgehensweise so fassungslos einig sind – „die Pisser pissen uns ans Bein? Schlagt sie tot!“ Differenzierter ist das im Grunde nicht, trotz allem Mediengeschwätz

Von den eigentllichen geopolitischen Machtsphären bekommt der öffentlich-rechtliche Nachrichten-Zuschauer auch eher wenig mit.

Lybien war ein Übergriff

Interessant fand ich, wie Herr Kujat über den Einsatz der UN-Resolution zu Ghaddafis Lybien sich geäussert hat, dass dort nämlich ein Mandat der UN vom Westen so weit ausgedehnt wurde, dass es zu einem Auftrag zum Regimewechsel führte – egal, was dabei rauskommt. Das war eigentlich sein Eingeständnis eines westlichen Missbrauchs. So deutlich wurde das von konservativer Seite bisher in den Medien nie erwähnt, bzw. war dem Normalbürger auch nie bewusst. Und funktioniert ja toll in Lybien, nicht wahr?

Wo blieb der integrale Muslim?

Klassisch und lausig war, dass sich in dieser Runde mal wieder nur lauter „Spezialisten“ aus dem deutschsprachigen Raum zusammenfanden, wo war der moderate Muslim, der Journalist vom Syria Daily? seit Günther Jauchs Entgleisung mit dem „moderaten“ Salafisten, der die Plattform genutzt hat, gibt’s ja gar keine Bereitschaft mehr für interkulturelle Diskussion. Es reicht ja, wenn sich deutsche Funktionshocker über ihre abweichenden Meinungen streiten („und ich hab das schon im Mai 2013 gesagt“, „nein, ich hab das schon im Januar und Februar 2014 gesagt“)

Danke, Frau Will, aber war das irgendwie erhellend oder problemlösend, war das in irgendeiner Form ein interkultureller Dialog ?

Dass es eine Fatwa von irgendeinem Imam gibt, wie Herr Laschet dann aus zweiter Hand berichtet, reicht nicht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 09/10/2014 von in Alltags Watch, Geopolitik, TV Watch und getaggt mit , , , , , , , .
Paul Fehm

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