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Menschen, Medien, Eimerketten

Der Papst als Ikone

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Papst mahnt ökologischen Umsturz an

– Haben die Muslime eigentlich solch eine Grossikone wie die Katholiken ihren Papst?

Heute wurde in den Medien Papst Franziskus wie ein Wertevertreter aller Katholen – nein, aller Christen, medial verkauft. Weil wir Menschen den Planeten ökologisch gezielt zugrunde richten. Der Generalvertreter aller christlichen Wertegemeinschaften, die wir in unserer Wohlstandsgesellschaft so überzeugend-selbstzweifelnd vertreten.

Schaut man auf das eigentliche Getriebe des von der Wirtschaft und ihren geopolitischen Sachzwängen getriebene Tagesgeschäfts der Entscheiderriegen, fragt man sich schon, ob solch ein Kirchenoberer da wirklich mitreden kann, oder ob er nur ein zivilisatorisches Mäntelchen über den ganzen Grusel hängen soll.

Weil: in den wirklichen Entscheidungsländern hat die Kirche schon längst ihren Führungs- oder humanistischen Leitungsanspruch an den Nagel gehängt, in den erfolgreich missionierten Ländern der dritten Welt hat diese Kirche bisher immer nur politischen Mist erzeugt, und die letzten wirklich Gläubigen unter ein Joch gezwängt. Aber das dort mit immer noch enormen Einfluss.

Wird dieser Papst auf einmal zu einer neuen Kirche des Widerstands aufrufen? Wurde der Papst nach Elmau eingeladen, oder zu der kurz nachfolgenden Bilderberger-Konferenz? Nein, er wird eher wie ein verblühendes Schamtuch missbraucht – jeder hier weiss, dass der Papst da nichts Falsches sagt, aber jeder ist sich seiner Macht auch bewusst.

Wir pixeln dass mal eben weg

Und diese Macht ist eher zu vernachlässigen, weil das Business passiert an der Börse und nicht in der Messe. Wen ausser den Gläubigen wird der Papst mit seiner Message wirklich beeinflussen? Am lakonischten fand ich schon die kurze heute-journal-Inszenierung, in der zum Beitrag die Teilnehmer der Elmau-G7-Inszenierung so matrixmässig weg gepixelt aus dem Bild rollten (gruss an die Technik, eine Verbeugung; ich erwarte eine baldige Alltags-App).

Der Vatikan muss an die Börse

Aber wird des Papst Franziksos Aussage zu einem Umdenken in der Geopolitik, in der Wirtschaftspolitik und dem zentralen Strom des kapitalistischen Westens führen? bei den Entscheidern wohl am wenigsten. Die folgen ihrer ganz eigenen Religion, dem Börsengeschehen, der unsichtbaren Hand der Wirtschaft (Adam, das hast du dir wohl auch nicht so gedacht) – was will der Papst da tun, ausser seinen üblichen irrelevanten Mantel des christlichen Abendlands darüberzuhängen? Damit die christliche Leitkultur abgesegnet wird, auch wenn der inzwischen irrelevante Popanz seine Kritik äussert?

Wenn die katholische Kirche allerdings mit einer solchen franziskanischen Papstmesse/message und ihren katholischen Reichtümern an die Börse ginge, sähe das vielleicht schon anders aus.

Wo bleibt der muslimische Papst?

Aber eigentlich frage ich mich: wer ist der muslimische Gegenpart zu Papst Franziskus? Bei den Moslems kennen wir grad mal die Wahabbiten, die Saudis, als selbst ernannte Nachfolger des Propheten Mohammeds; haben sich nach seinem Tod im 8. Jhdt. nach Christus zu den einzig berechtigten Bewahrern erklärt.

Wir Christen hatten nur mal unseren Luther als Opposition. Und in Amerika, wohin die ganzen anderen Dissidenten ausgewandert sind, splittert sich das ganze andere Christentum auf. Die Katholen sind wahrscheinlich alle nur eingewanderte Iren, Italiener, und seit einiger Zeit die Latinos.

Damit sind schon mal viele auf des Papstes Seite. Aber wie bei den Muslimen? Wo ist ihr Papst. Gibt es nicht, für mich als aussenstehenden gibt es (aus den Medien) Sunniten und Shiiten, Wahabbiten, und dann noch viele andere. Imame gibt’s, und Hassprediger, die vielen Imame, die keine Hassprediger sind, kennt man ja nicht, weil andere Religion, jeder geht in seine Kirche (oder gar nicht), und man kennt sich nicht. Man kennt sich noch nicht einmal unter verschiedenen muslimischen Religionen, oder doch? ich spekulier da nur.

Wie wichtig ist ein Papst?

Worauf will ich eigentlich hinaus? hm, welche Bedeutung haben die Aussagen eines katholischen Papstes in den Medien in unserer Zeit, in unserem westlichen Kontext? Warum wird darüber in den Medien berichtet? immerhin gibt es eine ganze Menge Protestanten, also Evangelen, in Nordeuropa, die sich um die Ansagen eines altüberlieferten Gegenkirchlers gar nichts erzählen lassen sollten. Mal abgesehen von den vielen Immigranten oder Migrationskindern mit muslimischem Hintergrund.

Doch der aktuelle Papst erzählt von Problemen, die alle betreffen – zwar ist er in der Verhütung und Kondomfrage immer noch altbacken und unerträglich, aber ansonsten berührt er ja entscheidende Punkte.
Wo, wenn man sich auf solch eine Diskussion einlassen will, ist das muslimische Gegenstück?
Das gibt es nicht. Ausser der Lehre im Koran. Die wird aber von jedem anders ausgelegt, vor allem von jedem Muslim, und daher gibt es unterschiedlichste Auslegungen, die dann auch noch meistens zu politischen Rangeleien führen.

Wer braucht schon saudische Wahabbiten, wenn denen seit der Ölkoalition mit den vereinigten Staaten von Amerika schon seit den 1930er Jahren die Käuflichkeit, d.h. Korruption auf die Stirn tätowiert wurde. Die Strengläubigkeit als permanente Heuchelei dem gemeinen Volk vorexerziert wird.

Der muslimische Gegenpapst

Gibt es eine muslimische Galeonsfigur wie im christlichen den Papst? Können sich weltweit Muslime auf einen gemeinsamen Vertreter einigen? Das bezweifele ich grad (belehrt mich eines besseren) – die westliche, materiell orientierte Wohlstandssphäre lebt mit einem moralischen Oberhaupt, dem sektenmässig noch nicht mal alle angehören, aber das ist eine Kraft, die 200 Jahre vor Mohammed eine damals römisch-imperiale Macht an sich gerissen hat, um seine Herrschaft weiterzuführen; und nach 500 Jahren, also vor 100 Jahren hat diese vorgeschobene Religion im Alltagsleben der Menschen viel, wenn nicht alles an Wichtigem verloren.

aber aus Tradition wird sie heute noch gerne als religiöse Wertegemeinschaft eines gemeinsamen aller christlichen Leben herangezogen (pars pro toto). Papa für alle.

Dass Muslime, Christen und Juden einen gemeinsam Gott haben, ist bei all dieser Zankerei schon krank genug.

Dass ich als Atheist darüber schreibe, ist hoffentlich ein dem Impact angemessenes Fleisssternchen wert.

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