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Menschen, Medien, Eimerketten

Ein schlechter Traum – eine Traumanalyse

drowned person

In meinem Blog geht es ja nicht nur um politik-kritisierendes Gezeter, sondern auch um Menschen, oder um Eimerketten – und manchmal auch um mich – statt an einer Polit-Analyse versuche ich mich heute an einer Traumanalyse – zu einem Traum, der mich gestern morgen kalt erwischte, aus dem ich mich durchgeschwitzt herausriss, und hier verarbeiten und loswerden will.

Der schlechte Traum

Dieser Traum, den ich heute am Sonntag morgen irgendwann zwischen 9 und 11 h hatte, fällt mir den ganzen Tag immer wieder ein. Ich bin total verstört und angeschlagen aufgewacht. eigentlich war ich ja schon gegen 7 h wach und las meinen Schwedenthriller „der Turm der toten Seelen“ von Christopher Carlsson zuende, schlief aber später wieder ein.

Diese Träume sind immer am krassesten, nicht wegen dem düsteren Roman, sondern wegen der Intensität dieser Träume, aus denen ich mich ja auch manchmal gewaltsam herausreisse – weil mich die Situation so umhaut und unerträglich wird – die ersten 20 min nach diesem Abbruch bin ich vollkommen benommen, als wenn ich einen Schlag auf den Kopf bekommen hätte, bin unter Schock, vermute ich.

Was habe ich geträumt?

Am Anfang befand ich mich auf einer Art Gehöft, einer Art Schullandheim. Es gab grosse Räume, in denen man mit mehren Leuten schlief, die aber eher selten in diesen Räumen waren – Komisch, dass ich diesen Raum mit einem alten Schulkameraden namens Rainer B. teilte, zu dem ich in der vielleicht 7. Klasse ein gutes Verhältnis hatte. Es gab eine ganze Menge Musikinstrumente in diesem grossen Raum, das könnte wie ein altes Klassenzimmer gewesen sein. Zum Essen traf man sich in einem Gemeinschaftsraum, in dem man mit fremden Menschen an einem Tisch sass und irgendwas auf dem Teller hatte, ich erinnere mich noch an eine fremde Frau in den maximal frühen Vierzigern mit einer lockigen Mittelkurzhaarfrisur, sie gingen ihr nicht auf die Schulter. Ich sah sie nur im Profil, weil ich von meinem Teller mal nach rechts rüberschaute. Das war alles eine ganz entspannte Situation.

Plötzlich finde ich mich in dem klassenzimmerähnlichen Schlafraum mit den vielen Musikinstrumenten wieder. sitze da und schau mich um, ich merke, dass ich eigentlich allein sein will, für eine Band gibt es ein Schlagzeug, ein Keyboard, ich kann Gitarren anschliessen; und 2 Hunde liegen faul auf der Seite, ein Schäferhund und irgendeine Mischung, schlapp sind sie auf jeden Fall, als würden 40 Grad Hitze sie lahmlegen. Lustlos geh ich zum Piano oder zum Schlagzeug – aber bevor ich anfange, stört mich irgendetwas und ich stehe wieder auf und gehe an die Tür. Irgendwie gibt es vor dem Raum eine Art kleinen Vorraum, Platz für eine Garderobe, während sich hinter diesem Raum eine Art Krankenhausflur erstreckt.

In diesem Vorraum sehe ich plötzlich Erdablagerungen, so was wie Einschwemmungen, abgerissenes Gras und eingespülte Erdspuren, irritiert davon, mache ich die drei Schritte durch den Vorraum, komme auf den breiten Flur, und blicke nach rechts, aus einem Fenster: und blicke auf eine Art Tsunami-Szenario, nach dem Tsunami. Das ganze grossflächige Gehöft steht unter Wasser, ich blicke an den anschliessenden Wirtschaftsgebäuden vorbei auf eine weite Landschaft, die komplett unter Wasser steht. der sogenannte Innenhof ist total geflutet, und ich sehe überall vermutliche Leichen im Wasser treiben. Ich blicke direkt aus dem Fenster nach unten, die Wasseroberfläche liegt vielleicht anderthalb Meter unter mir, und sehe ein deutliches Gesicht, das scheinbar ertrunken in den bewegten Wellen mal an die Hausmauer getrieben wird, dort anstösst, wieder zurückgezogen wird; ich kenne diesen Mann nicht, im Hintergrund sehe ich ein paar Opfer, die mit dem Gesicht im Wasser treiben und ganz bestimmt tot sind. Bei dem Mann im Wasser bin ich mir nicht klar, ob er noch lebt, eigentlich halte ich ihn für tot, aber manchmal gibt es Geräusche, die ich nicht unterscheiden kann von Wellengeräuschen oder einem letzten Luftschnappen.

Ich bin vollkommen überrascht, wie konnte ich diese Katastrophe nicht mitbekommen, wieso finde ich die direkt vor meiner Tür, wo doch anscheinend schon durch die Erdspuren im Vorraum das alles so dicht an mir dran war? Der trostlose Blick auf die Wasserfläche mit den vielen Ertrunkenen und die Nahaufnahme des unbekannten (übrigens europäischen) Opfers macht mich so fertig, dass ich mich mit Gewalt aus dem Traum reisse, mich aufwecke, aus dem Bett klettere und auf Toilette schwanke – aber durch diesen Riss bin ich schlafbenommen, wie nie zuvor. ich bin  eigentlich auch nicht schlafbenommen, sondern habe ich mich aus irgendetwas Unvorstellbaren heraus katapultiert.

Dieser Traum hat mich den ganzen Tag nicht losgelassen – sonst hätte ich ihn ja nicht 12 h später noch aufschreiben können.

Hilft mir eine Traumanalyse?

Ich versuche mal, ein paar logische Erklärungen zu finden. Ein paar Symbole, die sich aus meiner thematischen Umwelt erklären lassen. Um das ganze zu relativieren. Träume sind immer eine Mischung, aus dem, womit man sich bewusst beschäftigt und einigem, was eben unbewusst passiert. Träume sind gnadenlose Filme, auf die man als rationaler Mensch keinen Einfluss nimmt.

Das Zimmer mit den Musikinstrumenten: gestern bin ich über einen Kommentar zu einer Spike Lee-Dokumentation über Michael Jackson (Bad 25) und Taylor Swift zu einer Diskussion über meine eigene Musikfähigkeit gekommen, warum ich die Lust an der Musik verloren hab. Darüber existiert ein unpublizierter Artikel „man in the mirror“ auf meiner Festplatte – da kann ich mir den Zusammenhang im Traum erklären, weil ich u.a. ein paar wichtige Sachen mit mir anfing zu diskutierten, und den Artikel mit dem Zusatz tbc – to be continued – abbrach.

Die kollektive, gemeinschaftliche Nutzung des Gehöfts, und diese plötzliche Situation mit mir allein in diesem Musikzimmer kann ich mir auch irgendwie erklären, dass es eben einerseits das Leben in der Gemeinschaft gibt, und andererseits mein etwas eingleisiges Verlangen nach Alleinsein; mein im Traum und auch im RL eher lustloses Herangehen an die Musikinstrumente zeugt dann davon, dass es vielleicht um eine Weiterentwicklung des Alleinseins, nämlich um eine Einsamkeit geht. Die beiden vor sich hindösenden Hunde, die irgendwo in diesem Musikzimmer/Dormitory liegen, von trägen Fliegen umsurrt, kann mal jemand anders als sinnstiftendes Symbol deuten. Ich finde dazu keine Erklärung.

Der brutale Schnitt zu dem ersten Entdecken der Erdkrumen im Vorraum und dann die Realisierung, dass da draussen inzwischen etwas Ungeheuerliches passiert ist, lässt sich vielleicht mit der präsenten Thematik der Flüchtlinge erklären, obwohl das ganze eher wie das Ergebnis eines Tsunamis wirkte, wie sollte ich mir das sonst erklären?

Den Zusammenhang zu meinem Jugendfreund Rainer kann ich nur schwer deuten; dass wir uns mit 15 oder 17 zuletzt gesehen haben – und dass dieser tote Europäer, der so vor meinen Augen im Wasser vor sich hintrieb, durchaus Ähnlichkeiten haben könnte mit seinem jetzigen Aussehen. Aber das macht keinen Sinn, weil ich mit Rainer zu Anfang des Traums in diesem Raum sass, und überhaupt noch keine Ahnung hatte, was später passiert.

An diesem Punkt habe ich mich ja mit Gewalt aus der Traumwelt herausgesprengt. Nach der ersten Benommenheit, habe ich mich aber öfters gefragt, warum ich nicht aus dem Fenster gesprungen bin oder ihn zur Fensterkante hochgezogen hab, zumal ich mich doch noch erinnere, dass ich nicht wirklich wusste, ob er noch lebt?

Im realen Leben gibt es einen Krebsfall in unserer Familie, mit vielen Operationen, körperlichem Verfall, Morphintropf und allmählichen Beenden eines recht langen Lebens. In einem guten palliativen Umfeld, zuhause, mit den Kindern und Enkeln an der Seite – In 3 Tagen fahre ich zu heim und begleite.

Das Thema Tod und Sterben sind in meinem Unbewusstsein daher nachvollziehbar vorhanden.

Das war ein Versuch

So versuche ich, mir durch ein paar Zusammenhänge meinen Albtraum rational zu erklären. Dabei sind das nur die Details, an die ich mich erinnere, der Traum war bestimmt um eingiges differenzierter, aber vieles geht ja sofort verloren. Diese ganze Besprechung einer Traumsymbolik ist ja schon wieder Gegenstand einer nachträglichen Interpretation, von dem, was einem das Hirn, das Ich, in seiner eigenen und ungesteuerten Erzählweise vermittelt.

Entschuldigt diese Belästigung mit einem schlechten Traum; und entschuldigt das Bild zum Beitrag, ich habe lange nach einem Bild gesucht, das einem meiner Bilder im Traum wenigstens etwas entspricht.

Ich habe diesen Text geschrieben, um diesen Traum loszuwerden, zu verarbeiten – ich finde es gut, endlich wieder einen unpolitischen Text in meinem Blog zu veröffentlichen – auch wenn ich dadurch ein verwertbares Psychogramm-Fenster von mir aufstosse, mich preissgebe. Und vielleicht die Leser missbraucht habe.

Jetzt freue ich mich schon auf Sophies 30. Bild in ihrem smilethings-Blog.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 22/06/2015 von in Albtraum, Alltags Watch, Private Life und getaggt mit , , , .
Paul Fehm

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