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Menschen, Medien, Eimerketten

Terrorismus – oder Illner

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Wieder eine Medienbeobachtung – über Duktus und Körpersprachen im Umgang mit der Griechenlandkrise.

Heute haben sie sich in den Medien vermehrt an die Beschimpfung europäischer Finanzminister als „Terroristen“ geklammert, eine enorme Bedeutung darein gelegt.

Hat Herbert Wehner nicht mal im Parlament, Schriftsteller und Journalisten als „Ratten und Schmeissfliegen“ bezeichnet? Ein Michael Fuchs die griechische Regierung als Regime ? Wer weiss schon, was auf den NSA-Bandmitschnitten für harte Worte fielen?

Bei der Emotionalität passieren solche sprachlichen Ausrutscher doch mal schnell, und werden dann in den Medien oder weiteren Diskussionen überbewertet, hochgekocht.

Ausgewogenere Berichterstattung

Insgesamt ist die mediale Berichterstattung aber differenzierter und milder geworden. Dass sie Herrn Schäuble mit seinem Just do it mal zeigen, ist ein zu berichtender Fakt, auch wenn er nicht milder geworden ist. Gut, dass verstärkt auf den europäischen Gedanken, die Aufklärung hingewiesen wird, die Solidarität; schon deutlich, dass Obama der Kanzlerin zum EU-Erhalt Griechenlands rät, insgesamt sind die Stimmen verhaltener geworden.

Humanitäre Hilfe ist eine Frechheit

Das angeblich bereits geschnürte humane Hilfsprogramm ist allerdings nach wie vor empörend. Das ist wirklich leeres Geschwätz, die müsst ihr erst mal bringen, und war schon vor 5 Jahren nötig. Im Gaza warten die Palästinenser heute noch auf grosse Teile der zugesagten Wiederaufbauhilfe. Also erzählt mir nichts davon, dass jetzt schon startbereite Transallmaschinen auf deutschen Flughäfen mit medizinischen Hilfmitteln stehen. Das ist Augenwischerei!

Aus einer Rechthaberei des Stärkeren heraus, lässt man ein Land, das schon seit 30 Jahren in der EU ist, in das Elend abstürzen, wie es Günter Verheugen in einem Interview nennt. Eher lässt man es zu, dieses Land von einem Mitgliedsland zu einem Entwicklungsland runterzustufen, als dass man von den technokratischen Sachzwängen einer quasi-religiösen Finanztotalität abweicht, Zugeständnisse macht.

Die Angst vor dem Marshall-Plan

Die Angst, dass die anderen schwachen Länder, die die Austerität seit 5 Jahren auch erleben, Nachbesserung fordern, liegt als Bedrohung auf der Hand, sind aber auch gleichzeitig voll berechtigt. Zumindest wären humanitäre Hilfen angesagt. Weil dort zwar meist konservative Parteien einem harten Sparkurs zugestimmt haben und ihn umsetzen, dass es aber trotzdem genauso viele Arme in diesen Ländern gibt, die das konkret ausbaden müssen. über 30 % Arbeitslosigkeit in Spanien, bei zunehmendem Erfolg der Podemos-Bewegung, woher kommt das denn?

Dazu die Flüchtlingskrise

Zusätzlich haben wir die Flüchtlingskrise. Da kreiieren die Experten in den Talkshow-Runden ja auch Unmachbares. Flüchtlinge könne man in z.B. in Afrika halten, indem man dort eine wirtschaftliche Infrastruktur aufbaut, sie Wohlstand erleben lässt, und sie daher nicht auf Fluchtgedanken käme. Wie soll das denn funktionieren? Wer soll das denn bezahlen? Wer will?

Mal abgesehen, dass es die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten vollkommen aussen vor lässt. Die haben einen echten Grund, ihr Land zu verlassen. 4 Mio Syrer ausser Landes, der Rest inländisch auf der Flucht. Wollen wir da Industrie ansiedeln und Arbeitsplätze, eine Mittelschicht schaffen? Da brauchen wir wohl vorab andere Lösungen.

Weiterhin Unterwerfung erwartet

Die technokratische und autoritäre Eurogruppe wartet momentan darauf, dass die griechische Regierung, jetzt wo sie am Abgrund steht, doch noch genau ihre Forderungen erfüllt und sich damit unterwirft. Anders kann ich das nicht nennen, dieses machistische Gebären sowohl der dominierenden als auch der aufbegehrenden Clique. Unterwerfung ist für die Finanzminister der Eurogruppe das einzige Rezept, was in diesem Umfeld noch eine Wendung zum Guten bewirken könnte. Leider wird das ganze Spiel permanent von den Medien überwacht, und deren Meinung ist etwas differenzierter in den letzten Tagen.

Deutschland ist Export-Weltmeister

Die Staatsräson, oder eigentlich: die Systemraison steht einem aufklärerisch geprägten europäischen Gedanken gegenüber, ein Menschenbild, eine Philosophie, der Autorität einer sich verselbständigten Finanzkomplexität.

Und die export-orientierten Länder der EU, die hochindustrialisierte Produkte erzeugen können, profitieren indessen von dem von der EZB zum Schuldeneinkauf abgewerteten Euro, durch den sich diese Produkte zu günstigeren Preisen ins Ausland verkaufen lassen. Das ist doch nicht nur Deutschland, die Industrie von Frankreich oder Grossbritannien verdient doch wohl auch. Aber Deutschland ist Export-Weltmeister.

Komm mir bloss nicht mit dem Schuldenschnitt von 1953.

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