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Menschen, Medien, Eimerketten

Das Gysi Sommerinterview im ZDF

die reine rechte Leere

Die „reine rechte Leere“

Ein Interview, ausgestrahlt am 9. August 2015

hier erstmal der zdf mediathek video-link

und hier die fluxe Antwort der FAZ

Was diese Rezension ziemlich ausklammert, ist die unangenehme Gesprächsführung des Interviewers Thomas Walde, der in diesen 20 min konstant konträr und druckhaft war. Das war keine konstruktive Gesprächsführung, das war eher ein Verhör. Walde wollte ganz bestimmte Sachen erfahren, und wirkte eher genervt, dass Gysi trotzdem so entspannt und freundlich auf seine Fragen antwortete, natürlich vielleicht auch etwas ausweichend, aber Walde konnte Gysi kaum aussprechen lassen, weil er ja schon seine nächste Breitseite gegen die Linke auf den Lippen hatte. Das war kein Gespräch, sondern permanenter Vorwurf. Das Rumreiten auf der „reinen linken Lehre“ war mit ein bisschen Überlegung auch einfach lächerlich. Diese Fragestellung sollte doch Herr Walde oder seine Kollegin einfach mal der nächsten Sommerinterview-Partnerin, Frau Merkel, stellen, oder Herrn Gabriel.

Thomas Walde ist ein schlechter Interviewer

Was wird man wohl darauf hören? Anpassen an die Realpolitik, Demokratie besteht aus Kompromissen und Kniebeugen vor der Börse und dem grossen Bruder Amerika? Darauf läuft es doch hinaus. Aber dieser Interviewer, ich weiss gar nicht, was ihn eigentlich dafür qualifiziert, ist bresshafter als eine rollige Katze, die einem ständig ihr Geschlechtsteil ins Gesicht drückt und nach Befriedigung jault.

Das, was die Realpolitik tagtäglich macht, sich einem NSA-Kleinsprech der Abhörungsskandale beugt etc, wird dann einer linken Opposition als Verrat oder zumindest ein Abweichen von der „reinen linken Lehre“ vorgeworfen – hallo, Herr Walde, worauf wollen Sie eigentlich hinaus? Sie führen kein Gespräch, Sie führen eigentlich 20 Minuten Krieg, Sie interessieren sich überhaupt nicht für die erstaunlich gelassenen, eloquenten und freundlichen Antworten von Herrn Gysi, sondern Sie wollen einfach nur eine linke politische Richtung herunterputzen. Das merkt man schon daran, dass sie ihn eigentlich kaum ausreden lassen wollen, sondern schon zum nächsten Hieb ausholen. Und kommt von Gysi dann eine gute Retourkutsche, wechseln Sie einfach das Thema und kommen zum nächsten Vorwurf.

Ein gewollt unentspanntes Sommerinterview

Für ein Sommerinterview war das so dermassen unentspannt, dass ich empfehlen würde, Sie einfach wegen mangelnder Gesprächsführungskompetenz Ihres Postens zu entheben. Vielleicht hätten Sie lieber mit Ihrer Kollegin, die das nächste Mal mit Frau Merkel plaudert, die Plätze getauscht, dann hätten Sie einfach ein Gespräch mit sommerlichem Wohlfühlcharakter in einem Ihrem entsprechenden Weltbild geführt – aber so waren Sie, Herr Walde, einfach nur auf systemerhaltenden Krawall gebürstet.

Ihr Interview hatte nichts von Sommer, die Eloquenz von Herrn Gysi liess sie meist nur recht kleinkariert aussehen, das ca. 5-8 mal geäusserte Pochen auf die „reine linke Lehre“ liess Sie einfach nur lächerlich erscheinen. Stellen Sie die gleiche Frage nach der „reinen rechten Lehre“, und Sie landen bei Donald Trump und einem grossen Zaun um die europäischen Aussengrenzen, Hundestaffeln und irgendwann beim Schiessbefehl auf Flüchtlinge – das nämlich ist die Antwort auf die Gegenfrage nach der reinen rechten Lehre. shame on you.

Beeindruckend staatsmännisch war die Gelassenheit von Gregor Gysi angesichts dieser Dauerbombardierung.

 

 

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Ein Kommentar zu “Das Gysi Sommerinterview im ZDF

  1. Kai Malmus
    11/04/2017

    Nachtrag des Autors zum Artikel, vom 11. April 2017:

    Oh je, 20 Monate später liest sich das ja heftig. Entschuldigung, Herr Walde, da hat mich Ihre Gesprächsführung wohl ziemlich geärgert. Ich war etwas impulsiv. Sollte keine Hate-Speech sein, war eher schwacher Journalismus meinerseits. Ich fand Ihre Art des Interviews nur so aggressiv. Und spiegelte das anscheinend.

    Nehmen Sie es bitte nicht persönlich. der reichweiter

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10/08/2015 von in Europapolitik, Politik - Inland und getaggt mit , , , , .
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