reichweiter

Menschen, Medien, Eimerketten

G20 – eine Übung in Aufstandsbekämpfung?

Alle Medien und Feuilletons reden diesen schwachköpfigen Gewaltismus ins bodenlose Kopfschütteln.

Immerhin gibt es einzelne Stimmen, die davon reden, warum schwer vermummte Polizisten vermummten Demonstranten gegenüber stehen und wer da eigentlich mehr Recht hat.

Ich wage einfach mal die Hypothese, und von mir auch aus die Verschwörungstheorie, dass die jährlichen Berliner Maikrawalle, bzw. diesmal im gehobenen Ausmass, der G20-Gipfelschutz überwiegend eine Übung in Aufstandsbekämpfung ist. Für lau gibt es solch eine Übung ja nicht, schon gar nicht bei über 20.000 Polizeikräften, aber irgendwie ist das doch eine provozierte Übung an einem realen, aber beherrschbaren Anlass. In einem relativ zivilisiertem Umfeld.

Ich möchte „unsere“ Sicherheitskräfte mal sehen, wenn sie einen G20-Gipfel in einer türkischen oder venezolanischen Putschsituation klären sollten. Da möchte ich das Wort „Überforderung“ bitte nicht hören. Aber in Deutschland kann sich die deutsche Sicherheitstruppe regelmässig in einer gemässigten Aufstandsbekämpfung testen. Katastrophenschutz. So viel unbezahlte und engagierte Statisten bekommt man bei einer normalen Übung nie zusammen.

Alle reden diese Randalierer ja eher klein (Schwachköpfe, vollkommen unverhältnismässig, terroristisch, Gewaltverbrecher), aber geübt wird an ihnen doch die Durchsetzung einer starken Staatsgewalt (das geht gar nicht, wir schreiten da ein, die harte Linie).

Die Staatsgewalt bekommt mit diesem „Kinderkram“ (s.u.) keinen wirklichen Ernstfall geliefert, aber sie spielt ihn durch. Weil die Staatsgewalt in ihren B-Plänen garantiert schon Richtlinien für die Aufstandsbekämpfung im Inland vorliegen hat. Natürlich kann sie dann die ganzen gehorteten Valiumvorräte ins Trinkwasser kippen, aber was, wenn die Aufständischen nur Bier trinken, oder mindestens 4 Jahre alten Whiskey? Oder noch schlimmer: Kokain und Crystal Meth nehmen und das mit Gin Tonic runterspülen – weil es ausser freiem Zugang zu Drogen meist nur Ungerechtigkeit im Alltag gibt?

Auf unserer wirtschaftlichen Sonnenseite ist das zwar nicht gerade realistisch, aber die Staatsmacht stellt sich sowas doch mal lieber vor und trainiert. Gewaltbereite G20-Gegner werden da schnell mal mit terroristischen Gefährdern gleichgesetzt. Aber mit dieser relativ handzahmen Masse lässt sich das doch fast ideal durchspielen, bloss einen Toten darf’s nicht geben, dann wär’s schon wieder Genua-Gipfel, und nee, ganz schlecht zu vertreten.

Der Hamburger G20-Gipfel war einfach nur eine sehr teure Übung in unbeugsamer Staatsgewalt und Kontrollwillen. Wir bedanken uns bei allen gewaltbereiten Statisten aus dem schwarzen Block (ich dachte, es gäbe gar keinen schwarzen Block, das wäre nur eine Verschwörungstheorie) – auf jeden Fall: danke für euer kostenloses und relativ harmloses Engagement. Das hat das Feindbild geschärft, wirklich keiner Sache ausser der Verschärfung der inneren Sicherheit gedient – danke, dass wir euch dafür nicht bezahlen mussten (und auch keiner die Haftpflicht der abgebrannten Autobesitzer zahlen muss).

Dadurch fühlt sich Deutschland wieder relativ sicher.

Falls es in Deutschland aber mal zu wirklichen Aufständen kommen sollte (aus welchen Gründen auch immer), sehe ich schwarz für diese Weicheier von der Staatsgewalt. Wer bei solchem überschaubaren Kinderkram (ok, das ist verharmlosend) schon so überzogen reagiert, sich überfordert fühlt und Verstärkung ruft, der wird bei einem richtigen Aufstand wie die irakische Armee vor dem Islamischen Staat erst mal die Flucht ergreifen, Wasserwerfer und 2000 Liter Tränengas für den „Feind“ zurücklassen.

Insofern, liebe Innenminister, falls Ihr das als Übung verstanden habt, ist Eure Übung ein Flop, weil Ihr Euch nur an Weichzielen und nicht an einer möglichen Realität erprobt habt. Den Aufstand, den Ihr niederzuschlagen übt, hat nicht 6000 mögliche Linksradikale in HH zum Ziel, sondern vielleicht 1 oder 3 Millionen Wutbürger, vllt. mehr, bundesweit, dezentral, die Ihr unter Kontrolle bringen müsst. Wie sollte das gehen? Ausnahmezustand? Einsatz von Militär? Möge uns so ein Scheiss erspart bleiben.

Egal, was morgen der Polizeisprecher sagt: diese Hamburger Übung in Staatssouveränität lässt sich wohl kaum als Erfolg verkaufen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 08/07/2017 von in Albtraum, Alltags Watch, Europa, Geopolitik, Media Watch, Politik - Inland und getaggt mit , , , , , , .

Navigation

Paul Fehm

Literarischer Blog Heidelberg

Hola Spanien

Politik und Wirtschaft in Spanien

%d Bloggern gefällt das: